Fragen Bekannte meine Tochter nach ihrer Lieblingsfarbe, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: Rosalilapink‟. Als sei das eine Farbe und gleichzeitig eine Art Weltanschauung. Denn Lieblingsfarben sind sehr wichtig, wenn man drei Jahre alt ist. Ja, wir befinden uns mitten in der gefürchteten „rosa Phase‟.

Geschlechtsneutrale Kleidung? Fehlanzeige

Als ich neulich wieder einmal las, wie fürchterlich es sei, dass Mädchen rosafarben und Jungs blau gekleidet sind, kam ich kurz ins Grübeln. Drastische Worte fanden die Autoren: Sexistisch sei das. Natürlich ist diese Diskussion nicht neu. Trotzdem warf ich einen verstohlenen Blick in die Kleiderschränke meiner Kinder. Bei den Söhnen: Blau, Grau und Grün. Bei meiner Tochter sah ich vor allem Rosa, Lila, Pink und etwas Jeansblau. Glaubt man den Verfechtern der geschlechtsneutralen Erziehung, verhindere ich damit, dass sich meine Kinder frei und unabhängig von Rollenklischees entfalten können.

Das rosa Monster schlich sich unbemerkt ein

Ich gebe zu: So richtig bewusst habe ich mich für dieses Farbschema nicht entschieden. Das kam einfach so. Wahrscheinlich, weil die gesellschaftliche Erwartung, meiner Tochter rosa statt blaue Strampler anzuziehen, in meinem Kopf derart verankert war, dass ich das nicht in Frage stellte. Sondern entsprechend einkaufte. Irgendwann konnte ich das alles aber nicht mehr sehen. Als die Kleine ein Jahr alt war, kaufte ich bevorzugt rot-weiß-geringelte Shirts und blaue Hosen. Das gab mir das Gefühl, mich mit einem individuellen Style ein wenig abzuheben. Fühlte sich gut an, so emanzipiert und genderbewusst. Bis meine Tochter anfing, sich in die Wahl ihrer Kleidung einzumischen. Plötzlich musste selbst die Unterhose rosa sein – von den Socken ganz zu schweigen. Ich ließ sie gewähren. Hosen trägt sie seitdem nur widerwillig und jeden Morgen verbringen wir vor der Kita kostbare Zeit damit, Haare zu flechten und Spangen auszuwählen. Bekannte und Verwandte kommentieren das dann gerne mit: „Sie ist eben ein richtiges Mädchen.‟ Was wohl soviel heißen soll wie: Sie entspricht dem gesellschaftlichen Klischee eines dreijährigen Mädchens. Und das nicht nur bei der Wahl ihrer Kleider sondern auch beim Spielzeug: Puppen, Pferde und ihre Spielküche stehen hoch im Kurs.

Pinke Mädchenträume soweit das Auge reicht

Schaue ich mich im Bekanntenkreis um, stelle ich beruhigt fest: Es geht nicht nur mir so. Mädchen, die mit drei Jahren tatsächlich „blau‟ als Lieblingsfarbe in ein Freundebuch eintragen (lassen), sind wohl eine bedrohte Minderheit. Und so geht der Kreislauf unaufhörlich weiter: Denn was die beste Freundin gut findet, das muss man doch mögen, richtig?  Schließlich haben Kinder ein unbändiges Verlangen, dazuzugehören. Und die Industrie gibt ihnen, was sie wollen: Rosa und Pink in allen Schattierungen. Das war bei mir selbst früher nicht anders. Zwar war mir als Kind Hello Kitty noch kein Begriff, aber auch ich hatte eine eindeutige Vorliebe für rosa Kleidchen, lila Haarschleifen und pinkfarbenes Spielzeug. Daher weiß ich: Das geht vorbei und auch ein von Kopf bis Fuß pink gekleidetes Kind kann zu einer vergleichsweise emanzipierten Frau heranwachsen. Auch wenn eine typisch weibliche Affinität für Mode- und Stilfragen vielleicht bleibt.

Klischees weit über Farben und Spielzeug hinaus

Ich werde meiner Tochter ihre rosa Phase also auch weiterhin nicht verbieten. Stattdessen vertraue ich darauf, dass sie sich trotzdem zu einer selbstbewussten, starken und unabhängigen Frau entwickelt. Klug, mit eigenem Kopf und eigenem Konto. Denn selbst wenn ich ihr nur noch blaue Kleidung kaufe, wird ihr Umfeld sie weiter als Mädchen behandeln – mit allen damit verbundenen Rollenbildern. Deshalb ist es mir wichtiger, ihr im Alltag ein entsprechendes Frauenbild vorzuleben und immer wieder mit dem überlieferten Rollenverständnis zu brechen. Der Anblick staubsaugender Männer soll für meine Tochter ebenso selbstverständlich sein wie der einer Frau mit Akkuschrauber in der Hand. Und ab und zu kicke ich mir meiner Tochter eine Runde. Und sei es mit einem pinkfarbenen Fußball.

 

Mal-Ehrlich-Mama-Logo2Die Kunstfigur „Mama Mascha‟ berichtet in der Kolumne über die alltäglichen Herausforderungen im Leben mit ihren drei (ebenfalls fiktiven) Sprösslingen (zwei Jungs, 5 Jahre und 9 Monate, ein Mädchen 3 Jahre). Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind meist Zufall.

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