Gedankenkarussell

TV-Helden meiner Kindheit

Nur zu oft flimmern Nachrichten über den Tod eines Prominenten über den Bildschirm. Natürlich nehme ich Notiz davon, aber mehr ist es meist nicht. Als ich erfahre, dass Peter Lustig gestorben ist, ist das anders. Ich lese die Tweets und Meldungen und fühle mich zurück versetzt ins Wohnzimmer meiner Kindheit.

Ganz nah dran am Mann mit Latzhose

Dort sitze ich gemeinsam mit meinen Schwestern vor einem winzig kleinen Fernsehgerät auf dem Boden. Ziemlich nahe dran zugegebenermaßen. Das liegt daran liegt, dass es keine Fernbedienung gibt. Wollen wir umschalten, müssen wir aufstehen und zum Fernseher laufen. Aber wir schalten nicht oft um, denn wir haben nur drei Programme. Auch ausschalten können wir nur direkt am Gerät, wenn Peter Lustig zu uns sagt: Ihr seid ja noch da, aber jetzt – abschalten. Ich sehe einen Mann mit Glatze in einer blauen Latzhose vor seinem Bauwagen. Er diskutiert mal wieder mit seinem nörgelnden Nachbarn. Ich glaube, es geht um irgendwelche Tiere im Garten. Vielleicht sind es Maulwürfe.

Diese Szene ist eine lebendige Erinnerung. Bilder, Gerüche und Momente, an die ich seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten, nicht gedacht habe, erwachen, als ich einen Tweet zum Tod des Moderators lese (Rest in Peace, Peter Lustig).

Besuch von Pippi, Anna und den Melchersons

Es gibt nicht viele Sendungen, die einen ähnlichen starken Eindruck bei mir hinterlassen haben. Neben Löwenzahn sind es definitiv die zahlreichen Astrid Lindgren-Verfilmungen. Allen voran Pippi Langstrumpf und Ferien auf Saltkrokan. Die Familie Melcherson und ihr Bernhardiner sind auch das Erste, das mir einfällt, als ich zwanzig Jahre später zum ersten Mal mit dem Boot durch die schwedischen Schäreninseln schippere.

Außerdem ist da natürlich die Weihnachtsserie Anna aus dem Jahr 1987, die eine bis heute nicht enden wollende Begeisterung für Ballett bei mir ausgelöst hat. Ich muss zugeben, dass ich aus Nostalgie noch heute einschalte, wenn ich zufällig erfahre, dass eine Wiederholung der Serie läuft. Und, dass ich zutiefst bestürzt war, als ich 2012 vom Tod der Hauptdarstellerin Silvia Seidel erfuhr. Sie war mein ganz großes Idol.

Unwillkürlich frage ich mich: Welche Figuren und Geschichten werden wohl für meine Kinder prägend sein? Wichtig genug, dass sie noch Jahrzehnte später davon erzählen? Gibt es diese überhaupt noch? Oder entstehen solche bleibenden Eindrücke nur in einer Welt mit maximal drei Fernsehprogrammen?

Ich bin gespannt.

Foto: Fotolia

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