Gedankenkarussell

Zeilen zwischen Zweifel und Zensur

Noch ne Muddi‟ hat zur Blogparade geladen und gefragt: Bereut ihr das Bloggen manchmal? Habt ihr Zweifel an dem, was ihr da tut? Gute Frage. Denn schließlich schreibe ich meine Gedanken und Ideen nicht in ein kleines, rosa Tagebuch mit Silberschloss. Nein, ich blogge und lade damit Fremde ein, an meinem Leben teilzuhaben.

Mein Blog ist erst seit wenigen Monaten online. Weshalb also jetzt schon ein Beitrag zum Thema „Regretting Bloggerhood‟? Es gibt ja noch nicht viel, was ich bereuen könnte. Das Thema beschäftigt mich trotzdem seit langem. Ich wollte bereits vor drei Jahren meinen Blog starten. Ein Design sowie Entwürfe für einige Posts hatte ich bereits. Dennoch habe ich das Ganze nie veröffentlicht. Weil ich mich nicht traute. Weil ich nicht wusste, wie viel ich preis geben will von mir und meiner Familie. Weil ich Angst hatte vor zu viel Öffentlichkeit.

Dass ich jetzt Jahre später doch mit dem Bloggen angefangen habe, liegt vor allem daran, dass mich die Idee nie losgelassen hat und ich das Gefühl hatte, es ausprobieren zu müssen. Schließlich habe ich auf Publizieren‟ geklickt. Für mich geht das aber nur mit klaren Regeln und jeder Menge Selbstzensur.

Ich bin der Chefredakteur

Auf meinem Blog entscheide ich, was ich veröffentliche. Ich bin die Chefredakteurin. Wie viel Privates darf also ins Netz? Wer darf mein Wohnzimmer oder gar mein Schlafzimmer sehen? Ich habe eine altmodische und wahrscheinlich unpopuläre Entscheidung getroffen: In meine Wohnung lasse ich nur Menschen, die ich persönlich kenne. Meine Leser sehen nur Ausschnitte. Das gilt auch für die Themenwahl. Alles, was ich schreibe, dürfen auch Nachbarn oder Kollegen lesen. Habe ich dabei ein schlechtes Gefühl, ist die Idee für den Post gestorben. Von mir wird es weder einen Geburtsbericht noch eine Home Story geben.

Besonders empfindlich bin ich bei der Auswahl der Bilder. Ich trage die Verantwortung für meine Kinder, die ihr Recht am eigenen Bild noch nicht selbst einfordern können. Daher habe ich mich entschieden, grundsätzlich keine Fotos der Kleinen zu veröffentlichen. Nicht auf dem Blog, nicht auf Facebook, nicht auf Instagram. Woher weiß ich, dass meine Kinder mir das nicht eines Tages vorhalten würden? Das Risiko möchte ich nicht eingehen.

Mein Ausweg in die Fiktion

Natürlich bringen mich diese Entscheidungen in eine schwierige Position. Denn ich definiere mich als Mami-Blogger. Meine Familie und meine Mutter-Rolle sind untrennbar mit mir und meinem Blog verbunden. Daher verpacke ich die ein oder andere Anekdote aus meinem Mami-Dasein gerne in meiner Kolumne „Mama Mascha‟. Sie ist eine Kunstfigur, die manchmal Ähnlichkeiten mit mir oder einer guten Freundin hat. Sie ermöglicht mir, persönliche Erfahrungen gespickt mit einer ordentlichen Portion Fiktion zu teilen. Vielleicht ist das feige. Mag sein, aber mehr geht nicht.

Als Folge beschreibe ich „Raise and Shine‟ am liebsten als Blogmagazin und nicht als persönlichen Blog. Natürlich weiß ich, dass es gerade sehr persönliche Themen sind, die viele Blogs populär machen. Wahrscheinlich werde ich daher nie zu den ganz großen Mami-Bloggern zu gehören. Aber ich bin nicht der Typ, der sein Leben komplett nach außen kehrt. Bloggen ist für mich „nur‟ ein Hobby. Natürlich möchte ich, dass meine Posts gelesen werden, aber Reichweite um jeden Preis muss nicht sein.

Jeder Blogger geht seinen eigenen Weg

Das heißt nicht, dass meine Regeln auch für andere Blogger gelten müssen. Im Gegenteil: Es gibt so viele Blogs, die ich schätze, deren Posts ich verschlinge und die für sich entschieden haben, ihre Grenzen weiter zu fassen. Das respektiere und bewundere ich. Aber mein Weg ist das nicht.

Ja, ich liebe es, meinen Blog zu schreiben. Ja, ich möchte meine Gedanken, meine Erfahrungen, meine Vorlieben und Ideen teilen. Ja, darum geht es für mich beim Bloggen. Den Rahmen dafür stecke ich selbst ab, damit ich auch in Zukunft möglichst wenige Posts bereuen muss.

Ich bin selbst gespannt darauf, ob mir das gelingen wird.

 

Bild: Fotolia, Fotograf Undrey

 

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7 Kommentare

  1. Hallo Regine,

    die Idee mit „Mama Mascha“ als Kunstfigur ist echt klasse! Ich werd gleich mal reinelesen 🙂
    Ansonsten finde ich es wichtig, sich nicht zu sehr von irgendwelchen Klickzahlen leiten zu lassen. Du machst es schon genau richtig, einfach so viel von dir preiszugeben, wie du eben möchtest. Wichtig ist doch, dass man sich wohl fühlt mit dem, was man tut 🙂

    Viele liebe Grüße
    Steffi

    Gefällt mir

  2. Hallo Regine!
    Ein wundervoller Artikel. Und mir geht es oft ähnlich. Was mag ich im Blog von mir und meiner Familie Preis geben? Ich erinnere mich, als ich das erste Mal von Personen aus meinem Leben auf meinen Blog angesprochen wurde. Das waren zwar positive Rückmeldungen, aber das Gefühl war trotzdem seltsam.
    Liebe Grüße,
    Melanie

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Regine,

    toller Beitrag! Und sehr ehrlich! Finde ich klasse! Ich liebe Blogs und freue mich über jeden einzelnen Post. Viele sind sehr persönlich und ich habe mich auch schon oft gefragt, ob ich das könnte. So öffentlich mein privates Leben zeigen. Eher nicht!
    Ich finde es toll, dass du dein eigenes Ding machst und nur das schreibst und veröffentlichst, was du mit deinem Gewissen vereinbaren kannst und auf deine Familie Rücksicht nimmst! Mach weiter so :-)))))

    Gefällt 1 Person

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