Gedankenkarussell

Heart Times: Mein ganz persönlicher Halloween-Horror

Wenn ich in diesen Tagen durch meine Timeline scrolle, kann ich mich vor Gespenstern, Skeletten und Hexen kaum retten. Ja, Halloween steht vor der Tür. Ginge es nach mir, könnte es da bleiben. Draußen vor der Tür. Ich brauche das nicht. Und ich bin froh, dass meine Kinder für Halloween-Partys noch zu klein sind.

Woher kommt die Begeisterung für diese amerikanische Tradition? Als ich Kind war, gab es kein Halloween und ich habe nichts vermisst. Im Gegenteil. Wenn ich mich  an meine Kindergartentage erinnere und daran, wie ängstlich ich damals war, bin ich mir sicher: Für mich war es ein Segen, dass es kein Halloween gab. Ich hätte mich ganz sicher gefürchtet. Ich hätte mich irgendwo in einer Ecke verkrochen und gewartet bis der Spuk vorbei ist. Ja, ich hätte Halloween schon damals gehasst.

„Warte nur ab. In ein paar Jahren sieht die Welt anders aus.“ Ich kann sie schon hören, die Mütter mit älteren Kindern. Ich habe sie vor meinem geistigen Auge, wie sie hinter vorgehaltener Hand ein bisschen abfällig lächeln und sich denken: „Die hat ja keine Ahnung, was noch auf sie zukommt.“ Doch, hat sie. Ich weiß, dass ich in wenigen Jahren auch Kekse in Gespensterform backen und aus Wiener Würstchen und Ketchup abgeschnittene Finger zaubern werde. Dass mein Sohn ab Anfang Oktober mit Vampirzähnen im Mund herumlaufen und meine Tochter sich mit roter Farbe Blutspritzer auf die Kleidung malen wird. Und ich ekle mich schon jetzt.

Denn offensichtlich übt das Schreckliche eine Faszination aus, die mir verschlossen bleibt. Ich liebe das Schöne in der Welt. Mit Horrorfilme oder Büchern, in denen grausame Morde detailverliebt beschrieben werden, kann ich nichts anfangen. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber Grausamkeiten gibt es doch schon genug auf der Welt. Wenn ich mich gruseln möchte, muss ich nur die Tagesschau einschalten.

Und darum genieße ich die Zeit, in der meine Tochter sich als Prinzessin oder Fee verkleiden möchte. Auch wenn es nicht besonders angesagt ist, das zuzugeben. Weil es eben so rein gar nichts mit geschlechtsneutraler Erziehung zu tun hat und so gar nicht emanzipiert klingt.

Trotzdem: Lasst die Kinder Schmetterling, Elfe oder Sonnenblume sein, so lange es geht. Alles andere ereilt uns früh genug.

 


In meiner Kolumne „Heart Times“ schreibe ich regelmäßig über Dinge, die mich nerven, die mir Spaß machen, die mir auffallen, die mir gefallen oder die ich ändern möchte. „Heart Times“ sind wahllose, teils wirre, teils wortgewaltige Gedanken einer Mutter. 

 

Bild: pauchi – Fotolia.de

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