Gedankenkarussell

Heart Times: Wer glaubt noch an den Nikolaus?

Heute wurde ich wieder mit einer dieser alles verändernden Fragen konfrontiert: „Mama, ist der Nikolaus eigentlich nur ein verkleideter Mann?“

Puh, schnell überlegen, was sage ich jetzt? In meinem Kopf rattert es, ich werde rot. Die Kleine ist doch erst vier. Da sollte man noch an den Nikolaus und das Christkind glauben, oder nicht? Aber anlügen will ich sie auch nicht. Was also tun? Ich greife zu einer bewährten Taktik – ich versuche mich um die Frage herumzumogeln und Zeit zu schinden. „Wie kommst du denn auf die Idee?“ Ich habe Glück, meine Rechnung geht auf. Denn im gleichen Moment stolpert der kleine Bruder ins Zimmer. Meine Tochter rennt ihm entgegen und die beiden verschwinden, um miteinander zu spielen. Wahrscheinlich spielen sie Nikolaus.

Ich trockne die Schweißperlen auf meiner Stirn und beginne meine Gedanken zu ordnen. Wann ist meine Tochter eigentlich so groß geworden? Auch wenn es wahrscheinlich nur ein kleiner Funke Zweifel ist, den sie in sich trägt, beginnt offenbar langsam der Verstand Überhand zu nehmen und die Phantasie zu verdrängen. Sie glaubt nicht mehr alles, was Mama, Papa und Co. ihr erzählen. Das fühlt sich nach einem großen Entwicklungsschritt an. Ein langsamer, schleichender Prozess beginnt, der aus verträumten Kindern irgendwann kopfgesteuerte Erwachsene macht.

Die entscheidende Frage lautet also: Was tue ich, wenn sie noch einmal fragt? Mein erster Impuls ist, ihr die Wahrheit zu sagen. Aber was dann? Das zieht ja einiges nach sich. Was, wenn sie anfängt, die anderen Kinder in der Kita „aufzuklären“? Was, wenn sie den Nikolaus im Kindergarten, alias den verkleideten Opa eines andere Kita-Kindes, auf die Thematik anspricht? Was, wenn sie dem kleinen Bruder von Anfang an ein Stück verzauberte Weihnachtszeit nimmt? Und was ist mit dem Christkind und dem Osterhasen?

Also doch anlügen? Immerhin tue ich das seit Jahren, wenn ich ihr erzähle, das Christkind lege die Geschenke unter den Weihnachtsbaum und der Nikolaus gehe von Haus zu Haus, um die Stiefel zu füllen. Ist es so schlimm, wenn ich bei diesen Geschichten noch ein kleines bisschen länger bleibe? Das geht doch sicher als Notlüge durch, schließlich tue ich das aus den besten Motiven heraus. Ich will für sie ein Stück Weihnachtszauber bewahren. Zumindest noch in diesem Jahr. Trotzdem fühlt es sich falsch an.

Vielleicht habe ich Glück und die Frage taucht so schnell nicht wieder auf. Und wenn doch? Ich glaube, ich werde meiner kleinen Tochter dann reinen Wein einschenken. In der Hoffnung, dass sie wenigstens weiterhin glaubt, dass sich nachts manche Pferde in Einhörner verwandeln und durch die Lüfte fliegen.

 


Wie geht es euch mit dem Thema? Glauben eure Kinder noch an Christkind, Weihnachtsmann und Co.?

2 Kommentare

  1. Hier kommen auch die ersten Fragen auf, ob Nikolaus und Christkind wirklich echt sind… Ich frage dann immer, was sie denn glaubt – und das unterstütze ich dann auch. Kinder erfahren die Realität früh genug, bei diesem Thema darf man ruhig zur Notlüge greifen 😉

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