Kürzlich bekam ich von einer langjährigen Freundin ein Bild geschickt, das sie beim Ausmisten gefunden hatte. Es zeigt uns, damals beide noch Schülerinnen, im Alter von etwa 15 Jahren. Als ich die Nachricht öffnete, huschte ein Lächeln über mein Gesicht: Ich schwelgte ein wenig in Erinnerungen an meine ersten Partys, an schräge Klamotten und hörte sofort Roxette in meinem Kopf.

Dann zeigte ich das Bild meiner vierjährigen Tochter. Ihr „Mama, wer ist das?“ holte mich sofort ins Hier und Jetzt zurück. Hat dieses junge Ding auf dem Foto tatsächlich nichts mit meinem Spiegelbild gemeinsam? Bin ich wirklich nicht mehr zu erkennen oder fehlt meiner kleinen Tochter dafür lediglich die nötige Vorstellungskraft? Gut, das Bild ist rund 20 Jahre alt. Seitdem ist einiges passiert. Vieles, was mich schlauer, glücklicher, aber auch faltiger und ein wenig runder gemacht hat. Das nennt man dann wohl Leben.

Ich erinnere mich genau daran, wie ich einst jeden jenseits der Dreißig als leicht angestaubt abgetan habe. Nein, so fühle ich mich heute nicht. Im Herzen bin ich Mitte Zwanzig. Oder vielleicht doch nicht? Denn wenn ich ehrlich bin, gibt es sie doch, die Situationen, in denen ich weiß: Jung sind heute andere. Wie neulich, als ich auf einem Konzert war. Um mich herum Frauen in ihren Zwanzigern, die ständig Videos und Fotos von der Bühne bei Facebook gepostet haben statt lauthals mitzusingen. Ja, ich fühle mich zu alt für Snapchat, zu alt, um in einem Zelt zu schlafen, und zu alt für durchgefeierte Nächte.

Mit Mitte Dreißig ist man irgendwie dazwischen. Zwischen alt und jung, zwischen Hotpants und Oldie-Party. Mit Mitte Dreißig erinnert ihr euch vielleicht an „Konrad aus der Konservenbüchse“ von Christine Nöstlinger (Erstveröffentlichung 1975). Der kleine Konrad kommt in einer Konservendose bei seiner Ziehmutter Frau Bartolotti an. Und wie wird diese dem Leser vorgestellt? Als Frau „in den besten Jahren“. Wahrscheinlich sind wir mit Mitte Dreißig genau das: Nicht jung, nicht alt, sondern einfach in den besten Jahren.

4 replies on “Heart Times: Nicht jung, nicht alt, irgendwie dazwischen

  1. Ich verstehe genau was du meinst. Komischerweise fühle ich mich aber mit mitte zwanzig auch schon irgendwie dazwischen. Einfach weil ich privat schon so viele Veränderungen durchgemacht habe, mit denen meine Freunde nichts anfangen können. Und die, die diese Erfahrungen bereits gemacht haben, stehen nicht in meinem engeren Umfeld. Seltsam.

    Allerliesbste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM || FACEBOOK

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  2. Diesen Zustand des mittendrin Seins zwischen Jung und Alt, hast du ganz wunderbar beschrieben. Diese Gedanken habe ich auch. Wenn ich Bilder von früher sehe, dass fühle ich mich recht ‚alt‘, andererseits hoffe ich, dass ich noch vieles vor mir habe, dan relativiert sich das alles ein wenig. Man ist immer so alt wie man sich fühlt, heißt es ja berechtigterweise. Bei mir ist es oft Tagesform abhängig. Wenn ich mich hübsch zurecht mache, dann fühle ich mich besser, frischer und somit auch irgendwie jünger.
    Einen lieben Gruß

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