Gedankenkarussell

Heldin des Alltags: Ein Brief an eine Erzieherin

Es ist Zeit, den Erziehern da draußen einmal Danke zu sagen.

Es gibt Menschen, die werden in Elternblogs gerne und viel gelobt. Hebammen zu Beispiel. (Und das natürlich zu Recht.) Es gibt aber auch eine Berufsgruppe, die kommt aus meiner Sicht irgendwie zu kurz. Und das, obwohl sie im Leben vieler Familien eine ganz zentrale Rolle spielt: Die Rede ist von Erziehern.

Ich habe das Glück wirklich tolle Erzieher zu kennen. Und deshalb finde ich: Es ist anders Zeit, Danke zu sagen: In einem persönlichen Brief an eine Erzieherin, stellvertretend für alle tollen Pädagogen in unseren Kitas und Kindergärten.


 

Liebe Erzieherin,

wir sehen uns täglich und kennen uns doch kaum. Dafür kennst du meine Tochter umso besser. Du weißt, dass sie keinen grünen Salat mag, dafür Paprika liebt. Dass sie Angst vor großen Hunden und vor Clowns hat. Welche Bücher sie gerne liest und wer ihre besten Freunde sind. Und auch, wen sie insgeheim gerne zur Freundin hätte.

Du trocknest ihre Tränen, ziehst ihr Matschhose und Gummistiefel an. Du spielst, lernst, tobst und kuschelst mit meinem Kind. Ihr schneidet und ihr klebt gemeinsam – Laternen, Osterhasen, getrocknetes Laub. Hin und wieder auch ein Pflaster. Du gibst meiner Tochter Halt, während ich nicht da sein kann. Ihr singt, ihr tanzt, ihr lacht.

Ich weiß, es gibt Eltern, die mich für eine Rabenmutter halten, weil ich dir mein Kind anvertraue. Denn während du dich um meine Tochter kümmerst, gehe ich ins Büro. Egoistisch, herz- und verantwortungslos bin ich wohl in ihren Augen. Auch, weil dein Beruf kein gutes Image hat: „Fremdbetreuung“ nennen sie das, was du tust. Das klingt nach Amtsdeutsch, nach Abschiebung und würdeloser Behandlung. Doch für mich und für mein Kind ist es alles andere als das.

Ich bringe meine Tochter jeden Tag zu Menschen, die ihr Sicherheit und Halt geben. Die ihr liebe- und respektvoll begegnen. Die sie fördern und fordern, aber auch einfach Kind sein lassen. Ein Kind, das im Matsch wühlen und Regenwürmer suchen darf. Das klettert und kleckert. Das hüpft und spielt und lernt. Ich bringe mein Kind zu Menschen wie dir.

Ich weiß, du machst nur deinen Job. Aber den machst du verdammt gut. Denn ich spüre: Du lässt mein Kind in dein Herz. Wenn auch nur auf Zeit.

Vielen Dank dafür.

 

 

2 Kommentare

  1. Liebe Regine,
    in mehreren Artikeln habe ich in den letzten Wochen von katastrophalen Zuständen in deutschen Kitas und Krippen gelesen. Auch wenn ich mich nicht direkt angesprochen gefühlt habe, traf mich diese oft pauschale Kritik. Keine Tätigkeit an mir in der Vergangenheit so viel abverlangt, wie die der Erzieherin. In Kitas wird in der Hauptsache getan was Du beschreibst. Und das ohne nennenswerte gesellschaftliche Anerkennung oder entsprechende Bezahlung. Danke für Deinen Post!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Julia, vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass mein Text dich auch als Erzieherin anspricht. Ich bin wirklich jeden Tag dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die diesen Job machen – und auch gut machen.

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