„Oh, hast du dir Aua gemacht?“ „Hast du Kacka in der Windel?“ Wenn ich mit meinen Kindern spreche, muss ich manchmal innehalten und über mich selbst staunen. Bin das wirklich ich, die da spricht? Auweia.

Mama-Sprech – Achtung ansteckend!

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, nicht eine dieser Duzi-Duzi-Mamis zu werden, die plötzlich in Kindersprache verfällt. Ja, ich erinnere mich genau: Mein kinderloses Ich fand es immer unglaublich peinlich, wenn sich andere Mütter dem Sprachniveau ihrer Sprösslinge anpassten. Weshalb können Mütter in der Öffentlichkeit nicht fragen: „Musst du auf die Toilette?“ Nein, es muss sehr explizit sein: „Schätzchen, musst du Pippi?“ Fremdschämen war angesagt, wenn ich das bei Müttern hörte. Und heute? Nun ja, ich erwische mich auch immer wieder dabei. Und das, obwohl meine bald fünfjährige Tochter intellektuell durchaus in der Lage ist, auch die nicht ganz so explizite Formulierung der Frage zu verstehen. Meine Theorie: Mama-Sprech ist ansteckend. Wir übernehmen diese Art zu reden, streifen sie über wie einen Mantel, sobald wir mit unseren Kindern zusammen sind. Weil wir damit so viel Empathie zeigen. Weil wir das Gefühl haben, dass sich das als gute Mutter so gehört. Weil Mami das einfach so macht.

Fang mich doch, du Eierloch!

Keine Frage, unsere Sprache verändert sich, wenn wir erst einmal Eltern sind. So richtig spannend wird es, wenn die Kinder erst einmal in die Kita oder den Kindergarten gehen. Ja, ihr lieben, kinderlosen Leser da draußen: Es gibt tatsächlich das Schimpfwort „Eierloch“ – besonders gerne verwendet von Kindern zwischen drei und fünf Jahren. Ich staunte nicht schlecht, als meine Tochter vor etwa zwei Jahren zu Hause erzählte, ein anderes Kind habe sie als Eierloch bezeichnet. Mehrmals musste ich damals nachfragen, bis ich die Bedeutung dieses Wortes verstand. Wobei… Wenn ich ehrlich bin, habe ich die komplexe Semantik dieses Begriffs wahrscheinlich bis heute nicht vollkommen durchdrungen. Anderes fiel mir da schon leichter: Als Bastel-Muffel wusste ich bis vor kurzem auch nicht, was „prickeln“ bedeutet. Das konnte mir meine Tochter mit einem Bleistift und einem Stück Papier schnell näher bringen. Prickeln ist nichts anderes als mit einem spitzen Gegenstand Löcher irgendwo hinein zu bohren. Aha.

Aber nicht nur unsere Kinder bringen uns neue Worte bei. Schwangerschafts- und Erziehungsratgeber leisten ebenso ihren Beitrag wie Arztbesuche. Viele Begriffe, die mein kinderloses Ich nicht kannten, haben mit der frühkindlichen Entwicklung zu tun. „Bonding“, „Autonomie-Phase“ oder „einen Sprung machen“ zum Beispiel. Gern genommen sind auch Krankheiten und medizinische Fachausdrücke. Ohne Kinder hatte ich keine Ahnung von „Hand, Fuß, Mund“ oder „Dreitages-Fieber“. Inzwischen sind mir diese Begriffe in Fleisch und Blut übergegangen und ich verwende sie ganz selbstverständlich bei der Kaffeerunde mit anderen Mamis.

Von Motte bis Zuckerschnute

Oder betrachten wir doch mal das Phänomen Kosenamen: Da verbringen wir Monate damit, den perfekten Namen für unser Wunschkind zu finden. Wohlklingend und individuell soll er sein. Und was tun wir, sobald das Kind auf der Welt ist? Wir nennen Frieda, Charlotte, Emil oder Oskar tatsächlich in aller Öffentlichkeit „Motte“, „Prinzessin“, „Mäuschen“, „kleiner Mann“ oder „Zuckerschnute“. Wie viele „Mäuschen“ laufen wohl an einem Sonntagnachmittag durch den Zoo oder rennen über den Spielplatz? Mit Individualität hat das nicht viel zu tun. Aber auch hier gilt das ungeschriebene Gesetz: Gute Mütter verwenden Kosenamen und seien sie noch so bescheuert. Wir zeigen der Welt, unseren Kindern und uns selbst, wie vernarrt wir in die kleinen Racker sind, wie unendlich groß unsere Liebe für sie ist. Dass es dafür Kosenamen braucht, erscheint mir irgendwie seltsam. Aber auch ich komme nicht um sie herum.

So, das waren meine wirren Gedanken für heute. Der kleine Mann muss jetzt heia machen. Ähm, ich meine, ich bringe jetzt mal meinen Sohn ins Bett.  😉

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