Eigentlich liebe ich meinen Blog. Ich liebe es, meine Gedanken und Ideen hier zu teilen. Und ich liebe es, andere Elternblogs zu lesen und mich mit anderen Müttern auszutauschen. Eigentlich. Aber im Moment muss ich mich immer wieder selbst daran erinnern. Denn ehrlich gesagt, gehen mir viele Blogs tierisch auf die Nerven. Ich lese sie immer seltener und nur noch viel ausgewählter. Versteht mich nicht falsch: Es gibt da draußen viele tolle Elternblogs. Und jeder Blog hat seine Daseinsberechtigung. Ich bin überzeugt davon, dass jeder (gut gemachte Blog) auch irgendwo eine Zielgruppe findet. Aber das bin eben nicht in jedem Fall ich. Mir ist das alles einfach oft ein „touch too much“. Zu viel Gefühlsduselei, zu viel Werbung, zu viel Nichtssagendes. Und je genervter ich von anderen Blogs bin, desto mehr stelle ich mir die Frage, was ich eigentlich mit meinem Blog erreichen will und wo die Reise mittelfristig hingehen soll. Aber eins nach dem anderen…

Ich muss die Liebe zu meinen Kindern nicht im Web zelebrieren

Ja, wir alle lieben unsere Kinder. Für die meisten von uns sind sie das Beste, was uns in unserem Leben passiert ist. Und trotzdem: Ich möchte nicht den tausendsten „Liebesbrief an mein Kind“ lesen. Spätestens bei den Hashtags #youandmeforever bin ich raus. Das ist zu viel für mich. Ich muss die Liebe zu meinen Kindern nicht im Social Web zelebrieren. Warum auch? Um allen zu zeigen, dass ich die beste Mutter der Welt bin? Dass ich die tollsten und süßesten Kinder überhaupt habe? Dass niemand so nah bei seinen Kindern ist wie ich? Nein, das muss ich nicht. Und es interessiert mich auch bei anderen Müttern nicht. Mich interessieren die Erfahrungen von Mamas in der Gesellschaft – sei es als Vollzeitmami oder Working Mum. Mich interessiert, wie sie ihren Alltag meistern. Welche Tipps sie mir geben können. Wie sie mit Stress umgehen. Und mit Trotzanfällen. Was sie unternehmen. Und ja, (eine persönliche Schwäche von mir): Was sie dabei für Klamotten tragen ;-).

Aber ich erlebe viele Blogs eher als Wettkampf. Weil Tipps (oft wirklich hilfreiche und gute Tipps) gerne mit erhobenem Zeigefinger gegeben werden. Hand aufs Herz, dieses „Spielplatz-Phänomen“ kennen wir doch alle: Wie wir Mütter uns auf dem Spielplatz vergleichen, so tun wir das auch in Blogs. „Deine Kinder werden fremdbetreut? Hast du da gar kein schlechtes Gewissen?“ „Ach, ihr habt noch keinen Schwimmkurs gemacht? Na, immerhin nimmst du dir Zeit für die Musikschule und das Kinderturnen.“ Blogs sind oft die digitale Verlängerung dieser Gespräche auf der Spielplatz-Bank. Dagegen sträube ich mich. Jeder Mensch ist individuell und ja, auch Mütter sind Menschen. Jede Familie tickt anders und das ist doch auch gut so.

Kinder als Lifestyle-Accessoire

Aber leider sind Blogs oft eine Plattform, um ein möglichst perfektes Leben zu präsentieren. Ich gebe zu, dass ich in der Vergangenheit auch einen Hang dazu hatte. Denn wir reden uns ein, dass das der Weg ist, um erfolgreich zu sein. Die perfekte Plattform für unser ach so perfektes Leben ist Instagram. Hier kann ich von Schritt auf Tritt den Bilderbuch-Familien folgen. Immer gut ausgeleuchtet versteht sich. Das Kind adrett gekleidet und frisiert – sogar an der Matschanlage. Das ideale Accessoire für Mamas Lifestyle. Irgendwie will ich das nicht mehr. Weil es weder echt noch spannend ist.

Und was jetzt?

Warum ich euch das alles erzähle? Weil ich mir aktuell mal wieder viele Gedanken darüber mache, wohin die Reise mit meinem eigenen Blog gehen soll. Ich möchte nicht mehr so weitermachen wie bisher. Aber ich will auch nicht aufhören. Also braucht es ein neues Konzept. Ideen dafür habe ich viele. Die verrate ich aber noch nicht. Denn sie sind einfach noch nicht ausgereift genug. Aber trotzdem will ich auch auf dieser Reise ein Stückchen mitnehmen. Denn Leben ist Veränderung. Und Bloggen erst recht.

20 replies on “Blog-Krise: Warum mich viele Elternblogs nerven und weshalb ich mich verändern möchte

  1. Ich fange gerade erst an zu bloggen und habe jetzt schon das Gefühl, dass es sehr viel um Werbung zum Einen und nichtssagendes Gelaber zum Anderen geht. Mein eigener Ansporn zu bloggen ist das bloße Unterhalten. Aus meinem Alltag zu erzählen und andere zum Schmunzeln zu bringen, das ist mein Ziel. Schlicht und einfach. Das reicht mir. Aber das ist vielen wohl zu einfach. Schön zu sehen, dass auch andere mit den Mainstream Blogs nicht ganz so glücklich sind. Mal sehen, was die Zukunft so bringt…

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    1. Oh ich finde es klasse! Ich kenne Blogs, wenn man die genauer unter die Lupe nimmt, wo sich alles nur um Werbung dreht! Und das ist für mich nicht Bloggen! Ich habe mit einem Freund aus der USA telefoniert. Er sagte mir „BLOGGER sind die neue WERBE-MEDIEN der ZUKUNFT“. Ich war erschrocken. Werben ja, aber in Grenzen.

      WICHTIG ist, dass BLOG Spaß macht!

      Alles liebe
      Lucie

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  2. Blogger verdienen mehr Respekt, denn auch ich bin an diesem Punkt angekommen! Ich bin platt!

    Ideen habe ich viele.

    Ich liebe mein Blog, aber so weitermachen möchte ich auch nicht! Es ist Zeit für Veränderungen gekommen 😘 Ab Januar wird sich einiges ändern 😉

    Liebste Grüße aus Karlsruhe

    Lucie

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    1. Liebe Lucie, irgendwann kommen wir wohl alle an den Punkt, an dem wir Veränderung brauchen. Ich glaube, das ist etwas Gutes. Ich bin nicht so für Stillstand…. Bin schon gespannt, wie es bei dir weitergeht. Liebe Grüße Regine

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  3. Ach ja.
    Ich lese noch gar nicht sooo lange in Elternblogs, denn als ich anfing, da gab es noch nicht so viele von denen und ich konzentrierte auch ein paar wenige. Inzwischen MUSS man ja netzwerken, also tue ich es, nur fühle ich mich da nicht zugehörig. Ich bin anders, meine Jüngste ist 8 und ja, dieses ganze rumgeschreibe um die lieben Kleinen geht einer Mama, die mit Wechseljahren und Pubertät kämpft so was von auf den Sack (ach so hab ich nicht)
    Sobald ich ein Rezept bei Pinterest veröffentliche kommt eine Mama. kocht es nach und macht schönere Fotos um mich zu toppen, soll sie doch, ich bin schon über 7 Jahre im „Geschäft“ und ich glaube nicht, dass diese Tütelümamas solch einen langen Atem haben und am ende bleiben wieder nur ein paar übrig, so wie es früher mal war. Ist alles nur ne Phase
    Ich schreibe in meiner Nische (Down Syndrom, nähen, ältere Kinder, Reisen) und es reicht mir was da so an Lesern bei mir rein schaut

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    1. Liebe Martina, ja die Szene ist tatsächlich von Kleinkind-Mamas und deren Themen geprägt, was eigentlich schade ist. Liegt wohl daran, dass die meisten Elternblogs während der Elternzeit entstehen und nach ein paar Jahren „sterben“. Da ziehe ich echt meinen Hut davor, dass du schon so lange dabei bist. Liebe Grüße Regine

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  4. Wie Recht du hast.
    Ich nenne mich je eher Lifestyle Blogger, obwohl es auch viel um den Tumor meiner Tochter geht. Aber ich merke immer wieder in der Elternbloggerkommune, dass ich außen vor stehe. Vielleicht liegt es am Tumor? vielleicht denken Mütter, sie wären besser als ich? Denn jede Entscheidung, die wir treffen wird von anderen kritisiert. Dabei steckt keiner in unserer Situation. Keiner weiß, warum wir gewisse Entscheidungen treffen mussten und immer noch müssen.

    So gerne ich online unterwegs bin, so sehr ich meine Community mag. So nervig ist es teilweise. Und wenn ich über normale Themen schreibe… Denkt jeder, es wäre alles wieder okay, aber nein. Ist es nicht. Nur möchte ich mich nicht immer darauf fokussieren, was nun bei uns familiär und gesundheitlich falsch läuft. Macht ja Sinn oder?

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    1. Oh ja, das kann ich gut verstehen. Ich kann dir nur raten: Schreibe über die Dinge, die für dich wichtig sind und lass dich von den anderen nicht verunsichern. Niemand steckt in deiner Haut und wohl kaum einer kann nachvollziehen, was ihr durchmacht. Ich wünsche dir viel Kraft. Liebe Grüße Regine

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  5. Danke für diese ehrlichen Zeilen. Mir geht es bei sehr vielen Blogs genau wie dir. Dieses Übermutter-Dasein, ständig alles perfekt machen zu wollen und wenn dann ein Kind einen Schnupfen hat, so bricht die komplette Welt zusammen und die Mutter hat ein Burn-Out. Äh ja….damit kann ich nichts anfangen.

    Wir haben begonnen, einen Blog zu schreiben und genau aus dem Grund, den du genannt hast, wieder aufgehört. Die Sinnfrage – und ganz ehrlich: Auch die Zeitfrage. Wir haben 2 Kinder und bald kommen noch einmal 2 dazu. Aber das ist ein anderes Thema.

    Auf alle Fälle: Schön zu lesen, dass es nicht nur mir so geht.

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    1. Liebe Michaela,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, ich glaube, es geht vielen bloggenden Eltern so. Die Zeit ist knapp und die Konkurrenz unendlich groß. Ich bin auch gespannt, wie ich das mit drei Kindern gewuppt bekomme… Dir alles Gute und einen guten Start mit eurem Familienzuwachs!

      Liebe Grüße

      Regine

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  6. Ich bin da ganz bei dir, du schreibst was ich mir schon oft dachte und wozu ich aber keine Lust und Worte fand es selbst zu verfassen. Sehr gut geschrieben und nachzuvollziehen. Ich bin gespannt wie es bei dir weitergehen wird.
    Lieben Gruß aus Dresden
    Katharina

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    1. Hallo Katharina, ich hatte den Text auch schon vor einiger Zeit geschrieben und wusste nicht recht, ob ich ihn veröffentlichen soll. Aber jetzt habe ich mir einen Ruck gegeben und mich damit auch ein bisschen selbst unter Druck gesetzt 😉. Liebe Grüße Regine

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  7. Liebe Regine,

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe mir felsenfest vorgenommen bis Ende des Jahres nur noch den Blogs zu folgen, bei denen mich die Menschen dahinter echt interessieren. Und nicht mehr: möglichst viele um zu vergleichen oder zu netzwerken. Aus dem Grund habe ich sogar schon seltenst Lust darauf meinem Feed zu durchstöbern. Beknackt, was?!
    Ich schreibe auch keine persönlichen Dinge mehr im Blog, die meine Kids betreffen, sondern nur meine Rolle als Mama beschreiben. Alles andere fühlt sich an, als würde ich meine Kids nackt machen. Trotzdem schreibe ich noch gern (hoffentlich ohne Zeigefinger 😅), einfach weil es so viele Dinge in meinem Kopf gibt, die einfach raus müssen 🙈
    Ich wünsche dir jedenfalls dass du einen Weg findest, der dich zufrieden stellt und lese dennoch gern weiter bei dir mit 😘

    Liebste Grüße

    Sarah

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    1. Liebe Sarah,

      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Es freut mich, dass es offenbar einige gibt, die meine Gedanken nachvollziehen können. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht genau, ob ich mit dem Text vielleicht bloß anecken würde… Ich glaube, wir Elternblogger haben es in mehrfacher Hinsicht schwer: Zum einen sind wir unglaublich viele. Da hat man sicher noch stärker das Bedürfnis zu vergleichen und sich zu vernetzen, um nicht unterzugehen. Genau wie du schreibst. Und das nervt eben auch oft. Zum anderen schreiben wir über ein sehr persönliches Thema. Da ist es umso wichtiger, immer wieder zu reflektieren, was man tut und worüber man schreibt. Ich schreibe wie du auch über nichts, was meine Kinder in irgendeiner Art „nackt“ machen könnte. Aber ich respektiere auch, wenn andere Blogger das anders machen. Wichtig ist doch, dass wir uns wohl fühlen und hinter dem stehen, was wir tun.

      Liebe Grüße und viel Erfolg beim „Ausmisten“

      Regine

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