No mommy is perfect: Fünf Tipps für mehr „Ich“ im Mama-Alltag

Selbstfürsorge – das ist momentan das Modewort schlechthin unter den Mamabloggern. Ich bin eigentlich schnell genervt, wenn solche Schlagworte inflationär auftauchen. Wenn  sich jeder zweite Blogpost mit dem gleichen Thema beschäftigt. Diesmal aber nicht. Weil eine wichtige Botschaft meines Blogs von Anfang an war und ist: Liebe Mamas, denkt auch mal an euch selbst!

Der erste Schritt in Richtung Besserung besteht bekanntlich darin, ein Problem zu erkennen und darüber zu sprechen. Das hat Natalia von Simplylovelychaos getan. Sie erzählt in einem berührenden Text davon, wie sie verlernt hat, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten und welche Folgen das hatte. Außerdem hat sie zu einer Blogpaade aufgerufen. Natalia lädt andere Blogger ein, ihre Tipps für mehr Selbstfürsorge zu teilen. Eine gute Sache, bei der ich zu gerne dabei sein möchte. Aber von vorne…

Was bedeutet diese Modewort „Selbstfürsorge“ eigentlich? Es geht darum, dass Mütter im Alltag Raum für ihre eigenen Bedürfnisse machen sollen. Darum, dass es okay ist, ab und zu an sich selbst zu denken. Klingt banal, ist es aber nicht. Aus Gesprächen und zahlreichen Texten weiß ich, dass viele Mütter mit ihren Kräften am Ende sind. Da höre und lese ich Worte wie „Burn-Out“, da werden Therapeuten und Mutter-Kind-Kuren empfohlen, da fließen Tränen. Und weshalb? Weil der Druck, der auf uns Müttern lastet, unglaublich groß ist. Schließlich sind meist wir es, die alle Bälle in der Luft halten: Die den Haushalt schmeißen, Kinderarzt-Termine organisieren, Beulen kühlen, Hausaufgaben betreuen, Kindergeburtstage vorbereiten, stillen, kochen und die Kids zum Reiten, zur Musikschule und zum Fußball fahren. Wir hören uns die Sorgen und Nöte unserer Kleinsten an, sind Spielkamerad und stehen in den Trotzphasen an vorderster Front. Und ganz nebenbei sind viele von uns auch noch berufstätig und brauchen Zeit für ihre Beziehung.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass wir dabei oft selbst auf der Strecke bleiben.

TuDirwasGutes_Blogparade_1_optIch glaube, es ist nicht nur dieses Mama-Ding, das viele von uns verzweifeln lässt. Es ist das, was dazu kommt. Der Perfektionismus. Der Druck von außen, aber auch die Erwartungshaltung an uns selbst. Wir wollen das Beste für unsere Kinder und dazu gehört natürlich eine perfekte Mutter. Gleichzeitig möchten wir beruflich unser Bestes geben. Ja, wir sind für Gleichberechtigung. Wir wollen arbeiten und unser eigenes Ding machen. Glaubt mir, ich bin die Letzte, die sich darüber beschweren möchte. Aber das macht eben auch vieles komplizierter. Weil wir uns innerlich zerreißen, überall 120 Prozent geben möchten und irgendwann merken, dass das nicht funktioniert. Egal, wie sehr wir uns auch bemühen, unsere selbstgesteckten Ziele erreichen wir nie. Deprimierend.

Vielleicht sollten wir unsere Ziele überdenken? Vielleicht sollten wir versuchen, realistischere Vorstellungen von uns und unserem Leben zu entwickeln. Ehrlicher mit uns sein. Und manchmal mutig genug, um den einfachen Weg zu gehen: Auch mal fünf gerade sein zu lassen und auf das zu pfeifen, was andere von uns erwarten.

Fünf Tipps für mehr „Ich“ im Mama-Alltag

1. Vergiss perfekt

Kennt ihr das? Ihr surft durchs Netz und überall strahlen euch glückliche Familien in durchgestylten Kinderzimmern entgegen, die aussehen als wären sie einem Einrichtungskatalog entsprungen. Ist natürlich nur ein „Schnappschuss“ vom letzten Wochenende. Nee, ist klar. Und obwohl ihr genau wisst, dass das was da gezeigt wird, nichts mit der Realität zu tun hat, versetzt es euch einen kleinen Stich. Weil ihr das auch gerne hättet. Und während ihr euch diese Bilder anschaut, sitzt ihr auf einer Couch, die der Nachwuchs mit Kugelschreiber verschönert hat, neben euch drei Körbe voller Bügelwäsche und im Hintergrund zanken sich zwei Kinder lauthals. Und du schaust auf dieses Foto von der perfekten Wohnung mit der perfekt gestylten Mutti, die mit zwei engelsgleichen, lächelnden Kindern auf einem Samtsofa sitzt und Kaffee schlürft. Und dann hilft es, sich auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Und sich zu sagen, dass solche Inszenierungen nichts mit Glück zu tun haben. Dass es die perfekte Mutter nicht gibt. Und dass das Beste, was du für deine Kinder sein kann, eine gute und ausgeglichene Mutter ist. Vergiss perfekt.

Also bestelle ich die Faschingskostüme für die Kinder inzwischen lieber online als sie in nächtelanger Handarbeit selbst zu nähen. Ich backe die schnellen Schokomuffins mit Smarties drauf für den Kindergeburtstag statt der aufwändige Regenbogentorte, die ich auf Pinterest gesehen habe. Weil für meine Kinder Schokomuffins das Größte sind. Und das Kinderzimmer darf gerne auch mal chaotisch sein. Denn ein ordentliches Kinderzimmer hat ohnehin nur eine Halbwertszeit von maximal einer Stunde. Weshalb also der Stress?

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2. Gönn dir was

Sicher kennt ihr auch das typische Mama-Shopping-Verhalten: Ihr zieht stundenlang durch die Läden und kommt am Ende mit was nach Hause? Richtig: Mit Sachen für die Kinder. Da spricht prinzipiell nichts dagegen. Aber manchmal sind schöne Dinge nur für dich Balsam für die Seele. Das muss ja nicht gleich die teure Designertasche sein. Ein neuer Lippenstift, ein hübscher Blumenstrauß oder eine schöne Tasse erzielen auch eine positive Wirkung. Alles für kleines Geld zu haben und nur für dich! Dabei geht es nicht vorrangig um den Konsum, sondern darum, an sich selbst gedacht zu haben. Solche kleinen Geschenke zeigen dir selbst, dass du dir wichtig bist.

3. Nimm Hilfe an

Ich glaube, damit haben viele von uns Probleme. Eine perfekte Mutter lässt ihre Kinder eben nicht länger als nötig in der Kita. Sie ruft nicht bei einer Freundin an und bittet sie, ihr beim Kindergeburtstag unter die Arme zu greifen. Oder fragt eine andere Kita-Mami, ob sie vielleicht ausnahmsweise ihre Kinder mit abholen kann. Oder doch?

Ich weiß, wir haben nicht alle das gleiche Support-System. Die einen haben viel Hilfe zum Beispiel von den Großeltern. Bei den anderen wohnt die Familie viele hundert Kilometer weit entfernt und fällt als Unterstützung komplett aus. Ich habe gut reden, denn bei uns sind Omas und Opas vergleichsweise stark eingebunden und unterstützen mich. Dieses Glück hat nicht jeder. Aber überlegt, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt: Müsst ihr die Kinder pünktlich aus der Kita abholen oder seid ihr da flexibel? Falls es möglich ist, holt die Kinder einmal in der Woche eine Stunde später ab und nutzt diese Stunde nur für euch. Oder fragt eine Freundin, ob sie eine Stunde auf die Kinder aufpassen kann. Sucht euch einen guten Babysitter. Und genießt die gewonnene Freizeit ganz ohne schlechtes Gewissen.

4. Mach dir schöne Gedanken

Wenn die Kinder sich gerade mal wieder von ihrer trotzigsten Seite zeigen und du (obwohl du natürlich weißt, wie wichtig die Autonomiephase ist) dich am liebsten ebenfalls schreiend auf den Boden werfen würdest, dann mach dir schöne Gedanken. Schau dir ein Fotoalbum vom letzten Urlaub an, scrolle durch die Videos auf deinem Handy, die du spontan von deinen Sprösslingen gemacht hast. Sie dir an, wie der Kleine seine ersten Schritte gemacht hat, und blättere durch das Fotoalbum mit den ersten Bildern nach der Geburt. Ich verspreche dir, es wird dir mindestens ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Und du wirst sich daran erinnern, wie stolz und glücklich du damals warst. Und wie stolz und glücklich und voller Liebe du auch heute noch bist. Auch wenn dein Kind gerade schreiend unter dem Tisch liegt.

5. Tu etwas für dich

Ein heißes Bad, ein gutes Buch, eine ausführliche Maniküre. Eine halbe Stunde Auszeit  hilft im Alltag oft schon weiter. Zugegebenermaßen gönne ich mir diese halbe Stunde oft erst, wenn die Kinder im Bett sind. Und ja, manchmal bin ich dann so erledigt, dass ich am liebsten gleich ins Bett gehen würde. Aber meist habe ich mehr davon, wenn ich noch einmal im Bad verschwinde. Weil diese Pflegerituale Wertschätzung gegenüber meinem Körper bedeuten. Einem Körper, der in den letzten Jahren unglaublich viel geleistet hat. Damit zeige ich ihm und meinem Geist, dass ich mir wichtig bin. Das tut gut und gibt mir Kraft für den nächsten Tag.

Wie ist das bei euch? Wie schafft ihr es im Alltag auch mal etwas für euch zu tun? Ich bin gespannt.

Fünf Tipps für mehr Ich im Mama-Alltag

 

 

 

 

 

 

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4 Comments

  1. Antworten

    Claudia Herzohr

    28. Februar 2018

    Danke für deine Gips! Ich werde die versuchen umzusetzen!
    Ich bin Vollzeitmutter eines Säuglings und eines Kleinkindes. Zur Zeit hat mein Mann Elternzeit, so dass ich oft auch nur mit einem Kind unterwegs bin. ZB zum Sport. Ich versuche mir „Ich-Zeit“ in Begleitung meines Kindes zu nehmen um nicht auf dem Zahnfleisch zu gehen. Jede Übung auf der Matte die mich mein Töchterchen machen lässt genieße ich mit jedem Atemzug und spüre genau auf meinen Körper. Im Moment tue ich dadurch mehr für mich, als wenn ich abends zu meiner Tanzlehrerin von früher fahre und Mann mit Kids zu Hause lasse. Das wäre noch zu aufregend für uns. Außerdem müsste ich mühsam genug Milch zusammen pumpen. Aber, ich weiß die Zeit meiner Tanzstunden wird auch wieder kommen! Und das Wissen tut auch schon gut.

    Alles liebe
    Claudia

  2. Antworten

    emme-eppe

    21. Februar 2018

    Tolle Tipps. Ich hab ja für mich schon lange das Motto: Perfect is the enemy of good.
    Dieses Motto versuche ich im Büro und auch zuhause umzusetzen. Ich nenne es liebevolles Chaos und es macht mir das Leben viel leichter 😁
    Keine Familiensituation ist wie die andere und ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen darf, weil ich einen Mann habe, der im Moment Teilzeit arbeitet und die Kids vom Kindergarten abholt und am Nachmittag bespaßt und weil meine Eltern ganz in der Nähe wohnen und uns viele Sorgen (vor allem wenn die Kids im Kiga krank werden und schnell abgeholt werden sollen) abnehmen.
    Zeit für mich nehme ich mir bewusst, angepasst an mein Stresslevel- manchmal reichen schon die 2 Stunden pendeln im Auto am Tag um meine Batterien wieder aufzuladen 😉

  3. Antworten

    kunterbunt79

    19. Februar 2018

    tolle Anregungen…das mit dem Perfektionismuss muss ich noch abstreifen können, nicht immer so leicht

    • Antworten

      raise and shine

      19. Februar 2018

      Stimmt. Mir gelingt das auch nicht immer. Aber ich arbeite daran… LG, Regine

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