Stories untold – (K)ein Geburtsbericht

Sie schläft auf meinem Arm, während ich mit einer Hand diese Zeilen tippe. Ihr Kopf auf meiner Schulter. Und immer wieder macht sie diese Geräusche im Schlaf. Diese Geräusche, die nur Babys machen. Eine Mischung aus quieken und grunzen. Dann ein tiefes, zufriedenes Schnaufen. Sechs Wochen ist es jetzt her. Vor sechs Wochen hat mich dieses kleine Wesen zur dreifachen Mutter gemacht.

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Noch sind die Erinnerungen frisch und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Geburt denke. Ich werde nachts wach, schaue auf die Uhr und denke: „Um diese Uhrzeit ist sie geboren.“ Ich bin noch immer dabei, das Erlebte zu verarbeiten.

Aufregung, Schmerz, Tränen

Schreiben hilft dabei ungemein. Sicher berichten deshalb viele Blogger, wie er so war, der große Tag. Der Tag, an dem sich das neue Familienmitglied auf den Weg gemacht hat. Und natürlich habe ich mir auch die Frage gestellt, ob ich davon erzählen möchte. Von der Aufregung, den Schmerzen, dem Kreißsaal, den Tränen.

Ich habe mich dagegen entschieden. Diese Geburtsgeschichte wird unerzählt bleiben. Zumindest hier im Internet. Denn es gibt für mich nichts Persönlicheres als eine Geburt. Zum einen ist da das Offensichtliche: Gebären ist schon rein körperlich etwas sehr Intimes. Ich möchte nicht der ganzen Welt berichten, wann mein Muttermund wie weit geöffnet war. Zum anderen ist das Erlebnis einer Geburt, dieser immensen Naturgewalt, etwas, was ich nicht in Worte fassen könnte. Das Ergebnis wären vermutlich Worthülsen und klischeehafte Beschreibungen, die nicht annähernd das beschreiben könnten, was ich wirklich empfunden habe.

„Copy and paste“ gibt es nicht

Und dann ist da noch die Frage nach dem Warum: Welchen Nutzen könnten Leserinnen aus meinem Geburtsbericht ziehen? Könnte er sie auf das vorbereiten, was sie erwartet? Wohl kaum. Ich habe drei Kinder zur Welt gebracht. Dreimal spontan, dreimal im Krankenhaus, dreimal ohne Komplikationen. Aber das waren dann schon alle Gemeinsamkeiten. Jede Geburt war grundlegend anders. Von der ersten Wehe bis zu dem Moment, als ich das kleine Bündel in den Armen hielt. So unterschiedlich die Kinder sind, so unterschiedlich ist auch ihr Weg auf diese Welt. Was nützt es also zu berichten, wie es bei mir war? Jede Frau und jedes Kind schreiben ihre eigene Geburtsgeschichte. „Copy and paste“ gibt es nicht.

Geburtsbericht

Ich mag diese Onlinewelt und ich bin dankbar für jeden einzelnen Blogleser, aber es gibt Grenzen. Ich muss, will und kann hier nicht über alles sprechen. Manche Momente gehören nur mir und meiner Familie. Damit nicht alles in Vergessenheit gerät, werde ich die drei Geburtsgeschichten dennoch aufschreiben. Für mich und für meine Kinder. Das habe ich mir vorgenommen: Jedes Kind bekommt von mir einen persönlichen handgeschriebenen Bericht seiner Geburt. Das ist meine Art, das Erlebte zu verarbeiten und diese drei besonderen Tage, die mein Leben jedes Mal aufs Neue komplett verändert und so unendlich bereichert haben, zu ehren.

Sorry, liebe Onlinewelt, mehr verrate ich nicht.

 

 

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6 Comments

  1. Antworten

    sevrine

    20. März 2018

    eine wunderbare entscheidung regine.
    jede geburt ist anders. das konnte ich auch 2mal erfahren.
    du hast volkommen recht: keine wörte treffen genau was man während eine geburt empfindet. und gefühle sind eh subjektiv von daher sowieso nicht zu “ copy pasten“.
    mit deine wörte gibst du werdende mamas die kraft an sich selbst zu denken und offen zu stehen für diesen besonderen Moment der eineGeburt ist. toll.

    ich wünsche euch eine tolle (lebens)reise mit eure 3kinder, eine menge spass und liebe.

    sevrine

  2. Antworten

    judithvongelebtes

    19. März 2018

    Liebe Regine,

    Es ist erst eine Woche her dass ich das erste Mal eine Geburt am eigenen „Leib“ erfahren durfte. Deine Meinung zu einem Geburtsbericht trifft genau meinen Nerv und meine Ansicht, dass es Dinge gibt die zu persönlich, intim und immer anders empfunden und erlebt werden als das sie ins www gehören.

    Lg Judith

  3. Antworten

    Jasmin

    19. März 2018

    Herzlichen Glückwunsch zum dritten Weltwunder! Die Fotos sind allerliebst und treffen mir als Zweifach-Mama mitten ins Herz. Ich muss keinen Geburtsbericht lesen, um zu wissen, welch außerordentliche Leistung es ist, ein Kind zur Welt zu bringen. Ein Geburtsbericht darf sein, muss aber nicht, das Wichtigste ist doch, dass alle wohlauf sind! Die Idee mit dem persönlichen Geburtsbericht für die Kinder finde ich übrigens fantastisch, ich glaube die werde ich Dir mopsen 😉

    Liebe Grüße
    Jasmin

  4. Antworten

    Claudia Herzohr

    18. März 2018

    „Diese Geräusche, die nur Babys machen“ ja! Ich weiß direkt was du meinst.

    Ich finde die Idee, deinen Kindern ihre Geburt aufzuschreiben sehr schön. Ich habe mir meine in mein schwangerschafts/Geburt/wochenbetttagebuch geschrieben. Meine Hebamme hatte mich nach der ersten Geburt darauf hingewiesen, dass das sehr hilfreich sein kann. Das wars auch! Bei meiner zweiten Geburt hat meine Geburtshaushebamme mich gefragt ob ich meinen Bericht nicht verögfentlichen will. Und das wollte ich! Ich wollte mit der ganzen Welt teilen was ich unglaubliches erlebt hatte. Und ich möchte mit meinem Bericht ermutigen zumindest über eine außerklinische Geburt nach zu denken.

    Copy Paste gibt es nicht. Stimmt. Mich hat die Summe der Berichte die ich in der Schwangerschaft gelesen und gehört habe, dennoch vorbereitet. Und nach der Geburt habe ich immer wieder Rotz und Wasser geheult wenn ich einer Geburtsgeschichte lauschen konnte. (Das hat inzwischen nachgelassen 😉

    Herzlichen Glückwunsch zu deiner dritten komplikationslosen Geburt und herzlichen Glückwunsch zu deinem dritten gesunden Kind!
    Alles Liebe, Claudia

    • Antworten

      raise and shine

      18. März 2018

      Liebe Claudia,

      vielen lieben Dank. Für deinen Kommentar und die Glückwünsche!
      Ich glaube, das ist alles eine Typsache. Was für mich passt, passt für andere nicht und umgekehrt. Und das ist auch gut so.

      Liebe Grüße
      Regine

      • Claudia Herzohr

        18. März 2018

        Ja, absolut! Ich finde deinen Geburtsbericht der keiner ist ganz toll. Bzw ich finde es schön, dass du auf dein Herz hörst. Genau so soll es sein!

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