Bekommst du noch ein Baby? Mein After-Baby-Body

Vom Schlankheitswahn während und nach der Schwangerschaft

#afterbabybody  – Wer auf Instagram nach diesem Hashtags sucht, kann durch rund 76.000 Bilder scrollen. Zu sehen gibt es da aber nicht etwa Dehnungsstreifen und herabhängende Haut. Nein, der Afterbabybauch auf Instagram ist schlank, durchtrainiert und lässt im besten Fall ein Sixpack erahnen. Stolz halten junge Frauen ihre Bäuche wenige Wochen nach der Geburt für das obligatorische Spiegelselfie in die Kamera. Der dazugehörige Text verrät, mit welchen Übungen Mama schnell wieder fit wurde und was man jetzt besser nicht essen sollte. Kein Zucker, kein Fett, No Carb statt Low Carb. Fünfmal in der Woche Sport und alles ist wieder wie vorher. 

Es geht. Aber es dauert.

Klingt toll, denke ich mir und schaue an mir herunter. „Bekommst du noch ein Baby?“ wurde ich neulich in der Kita gefragt. Mehr gibt es zu meinem Afterbabybody wohl nicht zu sagen. Ich bin knapp drei Monate nach der Geburt noch einige Kilos von meinem ursprünglichen Gewicht entfernt. Der Bauch wölbt sich wie bei einer Schwangeren im fünften Monat. Und mein Hintern… Nun, lassen wir das. Ich weiß, dass mein Körper sich im normalen Rahmen verändert hat und Zeit braucht. Dass es nun einmal neun Monate dauert, bis das, was neun Monate gewachsen ist, wieder verschwindet. Immerhin mache ich das schon zum dritten Mal durch. Nach den ersten beiden Schwangerschaften wurde ich auch wieder schlank. Aber es dauerte.

Warum beschäftigt mich das Thema dann überhaupt? Weil ich mich trotz allem nicht frei machen kann von den Erwartungen und dem gesellschaftlichen Druck – auch wenn ich das als selbstbewusste, aufgeklärte Frau gerne tun würde. Der Schlankheitswahn macht vor den Schwangeren und den frisch gebackenen Müttern nicht halt.

After-Baby-Body_1 (2 von 2)

Gleich kommt Heidi Klum

Schon mit Baby im Bauch war meine Figur ein beliebtes Gesprächsthema. Nicht etwa mit der besten Freundin, sondern mit entfernt Bekannten. Ganz ungeniert wollen diese wissen, wie viel ich zugenommen hätte. Wann ist die Frage nach der Gewichtszunahme eigentlich gesellschaftsfähig geworden? Für den Körper einer Schwangeren gelten offenbar besondere Regeln. Wenn ich wahrheitsgemäß antwortete, dann folgten unaufgefordert meist aufmunternde Worte wie: „Keine Sorge, das wirst du wieder los.“ Hatte ich gesagt, dass ich mir Sorgen machen? Eigentlich nicht. Offenbar machte sich mein Gegenüber Sorgen. Für mich war das nichts Neues. Ich kannte diese Gespräche ja bereits aus den vorherigen Schwangerschaften. Und ich wusste auch, was gleich folgen würde. „Jetzt kommt Heidi Klum“, dachte ich. Und tatsächlich: „Du kannst dir mit dem Abnehmen ja Zeit lassen. Du musst ja nicht wie Heidi Klum wenige Wochen nach der Geburt als halbnackter Engel über den Laufsteg stolzieren.“ Nein, muss ich nicht. Gott sei Dank! Aber irgendwie impliziert diese Aussage doch etwas ganz anderes. Nämlich, dass es geht. Dass man auch kurz nach einer Geburt wieder einen Traumbody haben kann. Denn lange vor Instagram, im Jahr 2009, lief Heidi Klum nur sieben Wochen nach der Entbindung als Victoria Secret Engel in Dessous über den Laufsteg. Und sah dabei besser aus als die meisten von uns ganz ohne Schwangerschaft zu ihren besten Zeiten. Obwohl das bereits neun Jahre her ist, ist dieses Bild bei vielen von uns präsent. Es hat sich in unser Hirn eingebrannt und ermahnt uns. Heidi Klum konnte sich sogar in Unterwäsche zeigen. Und ich passe noch nicht einmal in meine alte Boyfriend-Jeans.

Unfollow everyone who makes you feel like shit

Das könnte mich jetzt deprimieren. Könnte mich in den Diät-Wahn treiben und mich im Fitness-Studio anmelden lassen. Tut es aber nicht. Weil ich anderes zu tun habe, als mich täglich mit einem Personal Trainer meiner Figur zu widmen. Weil ich die Zeit mit meinem Baby genießen und die kostbaren Momente einsaugen möchte. Diese Babymonate, die kommen nie wieder. Abnehmen kann ich auch noch später. Ich möchte meinem Körper Zeit lassen, sich ganz langsam zu regenerieren. Aus Respekt vor dem, was er geleistet hat. Daher gehe ich erst einmal fleißig zur Rückbildungsgymnastik, bevor ich mit Sport beginne. Ja, und manchmal, nach einer so richtig schlechten Nacht, in der mich nicht nur ein sondern gleich drei Kinder wachgehalten haben und am nächsten Tag ein Trotzanfall den nächsten jagt, da brauche ich Schokolade. Viel Schokolade.

Auf Instagram folge ich deshalb nun einem gute Rat, den ich vor kurzem irgendwo aufgeschnappt habe: „Unfollow everyone who makes you feel like shit.“ In diesem Sinne: Ich hole mir jetzt ein Stück Schokolade und gehe mit dem Baby kuscheln.

Die Bikinifigur muss warten.

Vom Schlankheitswahn während und nach der Schwangerschaft

 

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1 Comment

  1. Antworten

    Susa

    25. April 2018

    Liebe Regine,
    du triffst den Nagel auf den Kopf!!
    Ich gehöre zwar nicht zu den Bald-Mamas bzw. bin noch nicht aktiv in der Familienplanung, aber durch einige aktuell schwangere Freundinnen und Neu-Mamis in meinem Freundeskreis kenne ich die Thematik nur zu gut.
    Durch die Medien wird vorgegaukelt, dass es ein Kinderspiel ist innerhalb von wenigen Wochen nach der Geburt wieder auszusehen wie vor der Schwangerschaft.
    Pustekuchen!
    Es sollte viel mehr ehrliche Meinungen und Blogbeiträge wie den deinen geben!
    Chapeau und wirklich: Weiter so!

    Allerliebste Grüße,
    Susa

    http://www.MISSSUZIELOVES.de

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