Ein Brief für Hebammen, der (hoffentlich) etwas bewegt

Die Geburtshilfe in Deutschland steckt in einer Krise. In einer gewaltigen Krise. Geburtsstationen schließen oder sind unterbesetzt, freiberufliche Hebammen können ihren Beruf nicht mehr ausüben, weil die Kosten sie schlichtweg auffressen.

Ich habe bewusst keinen Geburtsbericht veröffentlicht. Aber soviel kann ich verraten: Auch bei den Geburten meiner Kinder wechselten die Hebammen, die mich betreuten, zwischen den Kreißsälen hin und her. Denn ich war nicht die einzige Frau, um die sie sich kümmern mussten. Da ich ein Mensch bin, der Dinge gerne mit sich selbst ausmacht, kam ich damit gut zurecht. Auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte. Ich wusste, dass die Hebammen ihr Bestes gaben und dass sie sich sicher auch mehr Zeit pro Frau wünschen würden. Aber heißt das, dass das so in Ordnung ist? Auf keinen Fall. Es muss sich etwas ändern. Für die Hebammen, für die Frauen und ihre Kinder.

Respekt, Fairness und gute Bezahlung

Hebammen können den Unterschied machen. Den Unterschied zwischen einem traumatischen Erlebnis und einer selbstbestimmten Geburt voller positiver Momente. Sie verdienen Respekt, faire Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung, die ihrer verantwortungsvollen Aufgabe wirklich entspricht. Davon sind wir aber meilenweit entfernt.

Darum unterstütze ich die Aktion „Dein Brief für Hebammen“. Ich habe mir einen Stift und Papier geschnappt und einen persönlichen Brief verfasst. Die Initiatoren dieser Aktion Mira und Deva, Rena und Kristina wollen aus vielen einzelnen Briefen den längsten Brief der Welt erstellen und damit einen Weltrekord aufstellen. Die hoffentlich kilometerlange Briefrolle wird dann im September der Bundesregierung überreicht. Ein Zeichen soll es sein, ein Aufruf an die Politik, von ihrem jetzigen Kurs abzuweichen und die Situation für die Hebammen zu verbessern.

Papier und Stift – mehr braucht ihr nicht

Mitmachen kann jeder und es dauert nur ein paar Minuten. Es gibt nur wenige Regeln, die einzuhalten sind. Der Brief muss handschriftlich auf DIN A4-Papier verfasst sein und muss die Geburtshilfe in Deutschland thematisieren. Ob das ein Dankesbrief, ein Wutbrief oder ein Geburtsbericht ist, ist dabei völlig egal. Schrift, Bilder, Zeichnungen – alles ist erlaubt. Weitere Infos inklusive der Adresse, an die ihr die Briefe schicken müsst, findet ihr hier beim Storchenfonds.

Auszüge aus meinem Brief

Und wenn ihr noch ein wenig Inspiration braucht, wie ein solcher Brief aussehen soll, hier Auszüge aus meinem Brief für Hebammen:

„Ich habe tolle Hebammen getroffen, die mir Kraft und Sicherheit gegeben haben, während der teils quälend langen Stunden der Geburt. Frauen, die mir immer wieder gesagt haben, dass alles gut werde und ich bald mein Kind in den Armen halten werde. Gerade bei der ersten Geburt habe ich diese Unterstützung auch dringend gebraucht. Und doch konnten die Hebammen sie mir nicht in dem Maße geben, wie ich mir das gewünscht hätte. Weil sie ständig zwischen mehreren Kreißsälen hin- und herliefen. Denn ja, ich war nicht die einzieg Frau, um die sich meine Hebamme kümmern musste… Ich wusste damals wie heute, dass es nicht ihre Schuld war, dass sie mich nicht ideal betreuen konnte. Sie gab ihre Bestes. Denn trotz allem war sie für mich da. War mein Fels in der Brandung zwischen den Wehenstürmen…. Hebammen verdienen Respekt. Wie sollten sie feiern für das, was sie tun. Sie sollten für diesen Job, der sowohl emotional als auch körperlich zehrend ist, gut bezahlt werden. Sie sollten Anerkennung erhalten und optimale Arbeitsbedingungen. Denn sie sind es, die wesentlich mitgestalten, wie in unserem Land neues Leben willkommen geheißen wird.“

 

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