#bleibtlaut für unsere Töchter: Sexismus im Job und im Privaten

Sexismus im Job Blogparade #bleibtlaut

#aufschrei und #metoo – erinnert ihr euch? Da war doch was. Etwas, das uns aufgeregt hat, das zu Debatten geführt hat. Etwas, das Frauen ermutigt hat, ihre Geschichten zu erzählen. Ihre Geschichten von Sexismus im Job und im Privaten, von Herabstufung, Belästigung und sexueller Gewalt. Aber wie das so ist mit gesellschaftlichen Debatten – die Welt hat sich weitergedreht, der nächste Aufreger folgte auf dem Fuße und hat das Thema überlagert. Schließlich können wir nicht unendlich viele Debatten auf einmal führen. Weiter im Programm also, die nächste Schlagzeile wartet schon.

Dennoch ist das Thema noch immer aktuell. Und deswegen hat es mich gefreut, dass Sabine von Mumandstillme unter #bleitlaut dazu aufgerufen hat, weiterhin aufmerksam zu machen auf Alltagssexismus und Belästigung.

Sexismus im Job – leider keine Seltenheit

Nun, ich bin Ende Dreißig und Mutter von drei Kindern. Es gab Zeiten, in denen ich mehr Projektionsfläche für sexistische Sprüche bot, als heute. Inzwischen fangen unangebrachte Bemerkungen meist mit „dafür, dass du Kinder hast…“ an. „Dafür, dass du Kinder hast, sieht dein Hintern noch echt gut aus.“ Ist das als Kompliment gemeint? Mal ganz abgesehen davon, dass es eine Lüge ist 😉 Egal, wie es gemeint ist, ich möchte es nicht hören. Nicht von Fremden, nicht von Bekannten, nicht von Kollegen.

Vor allem im Job ist mir immer wieder Sexismus begegnet. Von unpassenden Sprüchen bis hin zur scheinbar zufällig an meinem Körper entlang streifenden Hand war alles dabei. Dabei sollte doch gerade im Beruf ausschließlich meine Leistung zählen. Leider war das in der Vergangenheit nicht immer so. Idiotische Herrenwitze sind in vielen Büros an der Tagesordnung. Da werden Frauen zu Meetings geholt, weil sie sich im Konferenzraum „einfach gut machen“. Da kommentiert der Geschäftspartner, wie der Hintern im Bleistiftrock aussieht oder wie sich die Schwangerschaft auf die Größe der Oberweite auswirkt. Da unterhalten sich Männer ganz offen darüber, wer von ihnen das knackigere „Vorzimmermäuschen“ hat.

Wo hört ein Kompliment auf und wo fängt sexuelle Belästigung an?

Sexismus im Job ist real. Keines meiner Beispiele ist erfunden. All das ist mir oder Freundinnen von mir in den letzten Jahren widerfahren. Aber ich gebe zu: Ich habe mich in solchen Situationen nicht immer laut genug gewehrt. Habe nicht immer im richtigen Moment gewusst, was ich eigentlich sagen sollte. Weil ich überrumpelt war und nicht, weil es ok ist. Und ich weiß, es geht auch anderen Frauen so.  „War doch als Scherz gemeint.“ „Die soll doch froh sein, wenn sie jemandem auffällt.“ „Man wird doch wohl noch was Nettes sagen dürfen.“ Und genau das ist der Punkt. Es ist nichts Nettes, es ist kein Kompliment.

Solche Aussagen und Handlungen sind Ausdruck einer Denkweisen, die längst der Vergangenheit angehören müssten. Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, dass ein solches Verhalten für viele noch immer normal ist? Passt so etwas nicht eher in die Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts statt in unsere doch vermeintlich so modernen Welt? Bringt der Rechtsruck unserer Gesellschaft vielleicht sogar wieder verstärkt solche Verhaltensmuster mit sich? Ich hoffe es nicht, befürchte es aber.

Bleibt laut, Ladies!

Warum mir das Sorgen bereitet? Eigentlich könnte es mir egal sein, denn betroffen bin ich schließlich immer seltener. Ganz einfach: Ich habe drei Kinder. Zwei Töchter und einen Sohn. Wenn ich darüber nachdenke, was ich meinen Töchtern für die Zukunft wünsche, dann fällt mir vor allem eins ein: Dass sie stark sein können und frei. Frei darin, so zu leben, wie sie sich das wünschen. Doch dazu gehört eine echte Gleichstellung von Mann und Frau. Solange Männer Frauen zu Objekten machen, degradieren sie sie. Und so lange das gesellschaftlich toleriert wird, haben meine Töchter nicht die gleichen Chancen wie mein Sohn. Soll ich nun also resignieren? Ich alleine kann unsere Gesellschaft ja wohl kaum ändern. Nein, aber ich kann im Rahmen meiner Möglichkeiten aufmerksam machen. Meine Erfahrungen teilen und meine Töchter so stark machen, dass sie Sexismus im Job und im Privaten nicht akzeptieren. Dass sie sich zur Wehr setzen gegen die Hand auf ihrem Po ebenso wie gegen einen unangebrachten Herrenwitz. Und ich kann meinem Sohn Respekt vor Frauen beibringen. Und damit vielleicht doch ein ganz kleines bisschen die Welt verändern.

In diesem Sinne: #bleibtlaut Ladies!

13. September 2018

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