Mein Slow-Fashion-Experiment

Mein Vorsatz für das neue Jahr: Slow Fashion

Warum ich 2019 (fast) nichts mehr kaufen möchte

Dezember. Es ist mal wieder Zeit für gute Vorsätze. Während mich in den letzten Jahren die Klassiker „mehr Sport“ und „weniger Zucker“ beschäftigt haben, kreisen meine Gedanken diesmal um etwas ganz anderes: Ich will 2019 Mode bewusster und vor allem langsamer konsumieren. Slow Fashion statt Fast Fashion lautet die Devise.

Eines vorneweg: Ich liebe Mode. Das war schon immer so und daran wird sich wohl auch nichts ändern. Mein Berufswunsch als Kind war Modedesignerin und später – als arme Studentin – habe ich tagelang günstige Nudeln statt frisches Gemüse gegessen. Nur damit ich mir von dem gesparten Geld die Vogue und die ELLE leisten konnte.

Ich will Mode, keine Kleidung

In meiner Welt gibt es Mode und es gibt Kleidung. Mode macht Spaß, ist kreativ und Ausdruck einer Persönlichkeit. Mit Kleidung dagegen kann ich nicht viel anfangen. Sie ist praktisch, erfüllt einen Zweck, schützt im besten Fall vor Kälte oder Hitze. Kleidung trägt man, wenn man den Garten umgräbt oder wenn man eine Himalaya-Expedition unternimmt. Beides mache ich selten. Ich will also keine Kleidung, ich will Mode. Aber eben nicht mehr diese schnelllebige Mode, die ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Ich will hochwertige Slow Fashion.

Slow Fashion Experiment: Nur sechs neue Teile kaufen

Welchen Preis wir für Kleidung in Wahrheit bezahlen

Natürlich wusste ich schon immer, dass ein Wollpullover für zwanzig Euro nicht fair und nachhaltig produziert sein kann. Dass da irgendwo irgendetwas faul sein müsse. Aber ich muss gestehen, ich habe es bis vor kurzem ignoriert. Es ausgeblendet, weil ich mich nicht damit beschäftigen wollte. Über Dariadaria bin ich dann auf zahlreiche Texte und auf einen Film gestoßen, der alles verändert hat: „The true cost“  beschreibt unter anderem die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen Näherinnen in Bangladesch Kleidung herstellen. Kleidung, die sich dann auf den Weg nach Europa und in die USA macht.

Der Film zeigt außerdem die dramatischen Auswirkungen unseres Modekonsums auf die Umwelt. Unser Hunger nach ständig neuer, günstiger Kleidung hat die Modeindustrie zum zweitgrößten Umweltverschmutzer nach der Ölindustrie gemacht. Fast Fashion heißt das Stichwort. Immer schneller dreht sich das Modekarussell: Kleidung kaufen, tragen und wegwerfen in immer schnellerem Tempo. Kaum geshoppt, schon entsorgt. Schließlich brauchen wir Platz für das nächste, neue Kleidungsstück. Geld ist kein Problem, Mode ist günstig. Ein T-Shirt für fünf Euro, die Jeans für 20. Alles zu Lasten der Umwelt und der Menschen, die diese Kleidungsstücke für die reichen Europäer produzieren. 

Eine Bluse, ein Hemd eine Hose: Ihr Weg endet im Heizkraftwerk

Erst vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass die Luxusmarke Burberry im vergangenen Jahr Kleidung im Wert von 32 Millionen Euro verbrannt hat. Zwar hat das Unternehmen Besserung gelobt, offenbar handelt es sich dabei aber um eine in der Textilindustrie durchaus gängige Praxis. Aus Angst durch ein Überangebot die hohen Verkaufspreise zu gefährden. Auch H&M liefert (nach Unternehmensangaben unbrauchbare) Kleidung an ein Heizkraftwerk. Die Mode, für deren Produktion Rohstoffe vergeudet, Chemikalien eingesetzt und Näherinnen ausgebeutet werden, bleibt in Europa auf der Kleiderstange hängen, um dann verbrannt zu werden. Das ist doch völlig irrsinnig. 

Ich möchte diesen Wahnsinn nicht mehr unterstützen. Ich will das Tempo rausnehmen aus meinem Modekonsum. Mir mehr Zeit lassen und mich bewusster für bestimmte Stücke entscheiden. Slow Fashion eben. 

Weniger kaufen. Deutlich weniger. Slow Fashion ist mein Vorsatz für das neue Jahr. 

Natürlich geht es mir dabei vor allem um soziale und ökologische Aspekte. Aber ich habe darüber hinaus etwas anderes an mir beobachtet: Ich freue mich nicht mehr so sehr über neue Kleidung, wie das früher der Fall war. Denn früher habe ich schon aus finanziellen Gründen Mode langsamer konsumiert. Wie habe ich manchmal die ersten heißen Tage herbeigesehnt, weil ich mich schon im April unsterblich in ein Sommerkleidchen verliebt hatte, das ich unbedingt haben musste?! Ich habe es dann den ganzen Sommer über rauf und runter getragen. Und heute? Ja, da ist natürlich ein Lieblingskleid, aber da sind auch zig andere Sommerkleider in meinem Schrank, die alle irgendwie ähnlich sind. 

Außerdem bin ich längst nicht mehr so kreativ wie damals. Früher stand ich ewig vor dem Kleiderschrank, habe neue Kombinationen ausprobiert, aus Tüchern Tops geknotet und aus einer alten Jeans eine Rock genäht. Und diese Kreativität, dieses Gefühl für meine Klamotten möchte ich wieder haben. Auch deshalb habe ich mich entschieden, 2019 weniger, viel weniger Mode zu konsumieren und stattdessen aus dem Reichtum meines eigenen Kleiderschranks zu schöpfen. Oder wie es auf instagrammisch heißt: #shopyourowncloset 😉 Da ich schon immer ein Freund von klassischen Farben und Basics mit ein paar außergewöhnlichen Highlights war, denke ich, dass sich mein aktueller Kleiderschrank dafür gut eignet. 

Mein Weg hin zu Slow Fashion

Mein Slow-Fashion-Experiment

Doch wie viel weniger ist wenig genug? Was erlaubt mir mein Gewissen? Was brauche ich, um trotzdem gut, im besten Fall sogar modisch gekleidet zu sein? Ich war auf der Suche nach einer möglichst konkreten Definition für mein Slow-Fashion-Projekt.

Herausgekommen sind diese Regeln: 

  1. Ich möchte 2019 maximal sechs neue Teile kaufen. Alle zwei Monate ein Teil. Vielleicht klingt das erst einmal viel. Allerdings gehört da wirklich alles dazu – von neuen Sandalen bis hin zur Strumpfhose. Und dann sind sechs Neuanschaffungen plötzlich ganz schön wenig. 
  2. Vorhandene Kleidung ändern lassen oder selbst Hand anlegen ist erlaubt. Egal, ob ich einer Hose eine neue Länge verpasse oder eine Mütze stricke. 
  3. Wenn ich mir ein neues Stück zulegen möchte, recherchiere ich, ob ich das entsprechende Kleidungsstück von einem Label gibt, das nachhaltig produziert. Wenn ja, hat ökologische Fair Fashion Vorrang vor Marken, die auf herkömmliche Weise produzieren.
  4. Das Experiment gilt in erster Linie für mich. Die Kinder wachsen so schnell, dass von Slow Fashion keine Rede sein kann. Dennoch möchte ich versuchen, auch hier stärker auf nachhaltige Marken setzen. 

Ich bin gespannt, wie ich mit diesen Regeln zurecht komme. Werde ich das Experiment durchhalten? Ich bin neugierig darauf, was ich kaufe, wenn ich so selektiv vorgehen muss. Denn eins werde ich nach dem Experiment definitiv wissen: Was ich wirklich brauche, mit welchen Kleidungsstücken ich eine feste Beziehung eingehen will und was nichts als eine kurzlebiges Verlangen, ein One-Night-Stand, war. 

Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Hier und auf Instagram.

Außerdem freue ich mich über eure Gedanken zu dem Thema. Wie ist das bei euch mit dem Shoppen? Erzählt doch mal.

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